"Erneuern als Tradition"

Bundesforschungsministerin Annette Schavan hat der VolkswagenStiftung zum 50-jährigen Bestehen gratuliert. In ihrer Festansprache gab die Ministerin der Stiftung einen guten Rat mit auf dem Weg.


Hohe Festversammlung, meine sehr verehrten Damen und Herren,
heute feiert die Wissenschaft, und das aus gutem Grund. Denn 50 Jahre VolkswagenStiftung heißt 50 jahre einer überzeugenden Mission „Wissen stiften“. 50 Jahre Impulse für wichtige Erneuerungen im Wissenschaftssystem. Und deshalb gilt heute, worauf der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Richard von Weizsäcker anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der VolkswagenStiftung hingewiesen hat: „Der Geburtstagstisch ist voller Gaben, aber nicht für das Geburtstagskind, sondern für die, die mit ihm zusammen feiern.“

Deshalb verbinde ich mit meinen herzlichen Glückwünsche zum Jubiläum den Dank an all Jene, die in den fünf Jahrzehnten zu der Erfolgsgeschichte der VolkswagenStiftung im Dienste von Wissenschaft und Forschung beigetragen haben. Ich nenne die Damen und Herren Kuratoren dieser fünf Jahrzehnte, ich nenne die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Geschäftsstelle, ich nenne Dr. Wilhelm Krull, der seit zwölf Jahren als Generalsekretär ganz wesentlich die Geschicke der Stiftung prägt. Sie alle haben sich um die Wissenschaft und das Wissenschaftssystem mit Ihrem Wirken verdient gemacht. Herzlichen Dank!

Meine Damen und Herren, am Anfang stand ein Schock. Als am 4. Oktober 1957 von der Sowjetunion der künstliche Erdsatellit Sputnik 1 ins All geschossen wurde, löste dies in der westlichen Welt den „Sputnik-Schock“ aus. Der Sputnik machte in Zeiten des „Kalten Krieges“ die technologische Überlegenheit der damaligen Sowjetunion schlagartig deutlich. Die Sowjetunion bildete zu dieser Zeit doppelt so viele Ingenieure aus wie die USA. Alleine an der Universität Moskau existierten 50 Lehrstühle für Physik.

Auch in Deutschland begann eine heftige Debatte über die Notwendigkeit einer verstärkten Forschungsförderung. Der Nachwuchsmangel in natur- und ingenieurwissenschaftlichen Berufen zeichnete sich immer deutlicher ab. Er war Gegenstand heftiger Debatten im deutschen Bundestag. Der Mangel an Ingenieuren alleine in Deutschland wurde auf 40.000 beziffert. Sogar vom „Untergang des Abendlandes“ (Reinhold Bender, CSU) war die Rede.

Der Schock und die nachfolgende Debatte in Deutschland beförderte am Ende unter anderem die Entstehung der größten privaten Wissenschaftsstiftung Deutschlands aus dem Privatisierungserlös des Volkswagenwerkes. Sie wurde begründet durch einen Vertrag zwischen dem Bund und dem Land Niedersachsen. Das Grundkapital betrug damals 1,1 Milliarden DM. Damit begann die Erfolgsgeschichte einer Stiftung, die Forschung fördert, die mit ihren Investitionen den Einsatz erheblicher Fördermittel dritter Stellen anstößt und bedeutsame Impulse für die Veränderung der Architektur des Wissenschaftssystems setzt.
50 Jahre später sind es nicht die Ostblockstaaten, die uns abzuhängen drohen. Und zum Glück gibt es auch keinen „Kalten Krieg“ mehr. Aber der Technologievormarsch im asiatisch pazifischen Raum erscheint unaufhaltsam. Ähnliche Entwicklungen sind in Lateinamerika zu beobachten. Und wieder haben wir in Deutschland einen Mangel an Ingenieuren zu beklagen. Im Oktober 2009 wurden 51.000 offene Stellen verzeichnet und ein Zuwachs um weitere 100.000 Stellen für die nächsten zehn Jahre ist bereits prognostiziert.

Zweifelsohne hat der Forschungsstandort Deutschland an Attraktivität gewonnen. Vor wenigen Tagen war in einem Beitrag „Deutsche Forscher wollen heim“ zu lesen, dass aufgrund verbesserter Bedingungen Deutschland für Forscherinnen und Forscher, die in die USA ausgewandert sind, wieder attraktiv ist und sie an eine Rückkehr in die Heimat denken. Wir spüren das deutlich bei den GAIN-Treffen, an denen heute drei- bis viermal so viele interessierte Wissenschaftler teilnehmen als noch vor wenigen Jahren. Die Autorin konstatiert: So etwas war vor 10 bis 15 Jahren für die Wissenschaftselite kaum denkbar. „Wer es geschafft hatte, eine internationale Spitzenposition zu ergattern, der blieb im Ausland, wissend, dass er ähnlich gute Bedingungen in Deutschland nicht vorfinden würde.“ Das hat sich geändert. „Deutschland hat wieder etwas zu bieten“ (Christine Mattauch, bei Spiegel online, am 7. März 2012). Dazu haben Schritte zur Internationalisierung unseres Wissenschaftssystems ebenso beigetragen wie die Exzellenzinitiative und die dadurch angeregte strukturelle Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems, sowie seit Jahren kontinuierlich steigende Investitionen in Wissenschaft, Forschung und Entwicklung seitens der öffentlichen Hand und der Unternehmen in Deutschland.

Die VolkswagenStiftung hat zu der neu gewonnenen Attraktivität des deutschen Wissenschaftssystems wichtige Beiträge geleistet. Ich greife da die „Eckpunkte eines zukunftsfähigen deutschen Wissenschaftssystems“ aus dem Jahre 2005 heraus – mit zwölf Empfehlungen. Dazu gehörte die Empfehlung: „Bund und Länder sollten konkrete Schritte unternehmen, um die Trennung von universitärer und außeruniversitärer Forschung in Deutschland zu überwinden. Die Hochschulen müssen im Interesse ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit durch enge Kooperationen bis hin zu struktureller Integration von außeruniversitären Forschungseinrichtungen gestärkt werden“ (VI). Dazu gehörte auch die Empfehlung, den Hochschulen die Freiheit zu geben, „sich im nationalen wie internationalen Wettbewerb auf ihren leistungsstarken Feldern zu profilieren und zu behaupten“ (V) und der Hinweis: „Die Autonomie der Hochschule ist zwingende Voraussetzung für ihre Arbeit im nationalen und internationalen Wettbewerb.“ Schließlich empfehlen die Experten der VolkswagenStiftung „Im Interesse der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist eine neue Qualität des Zusammenwirkens zwischen privater Wirtschaft und öffentlicher Wissenschaft, eine systematische und strategische Verbindung von Hochschule und Wirtschaft dringend notwendig“ (VII).

Diese drei Beispiele zeigen den Einfluss der VolkswagenStiftung auf politische Initiativen zur Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems im Blick auf eine zukunftsfähige und international überzeugende Architektur. So hat der Spitzencluster-Wettbewerb unter dem Dach der Hightech-Strategie der Bundesregierung zu einer neuen Qualität im Zusammenwirken von Wirtschaft und Wissenschaft geführt. Einige Länder in Deutschland haben erste Schritte für mehr Selbstständigkeit ihrer Hochschulen beschlossen. Weitere Schritte in allen 16 Ländern sind wünschenswert. Die Bundesregierung hat in diesen Tagen das Wissenschaftsfreiheitsgesetz auf den Weg gebracht: Die Exzellenzinitiative hat zu neuen Formen der Kooperation zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung geführt bis hin zu der Fusion der Universität und dem Helmholtz-Forschungszentrum in Karlsruhe. Entscheidend für die Initiativen zur strukturellen Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems ist, dass sie wissenschaftsgetrieben und vor Ort entwickelt werden. Auf der Grundlage der Konzepte der Wissenschaft ist es dann Aufgabe der Politik, im Dialog mit der Wissenschaft für die Umsetzung der Konzepte die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dabei stoßen wir an Grenzen. Sie sind vom Grundgesetz vorgegeben, das bislang – nicht erst seit der Föderalismusreform, vielmehr seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland – die Kooperation des Bundes und der Länder bei Einrichtungen in der Hochschule nicht vorsieht. Deshalb hat der Koalitionsausschuss Anfang März beschlossen, eine Änderung des Artikels 91b des Grundgesetzes noch in dieser Legislaturperiode zu ermöglichen und darüber Gespräche mit allen Parteien und den Ländern zu führen. Diese Grundgesetzänderung bedeutet eine Stärkung der Hochschulen und ist mit der Chance verbunden, die Attraktivität des Wissenschaftssystems nochmals zu steigern. Sie ist nicht zuletzt eine wichtige Voraussetzung für die Gespräche des Bundes und der Länder für die Zeit nach der Exzellenzinitiative ab dem Jahre 2018. Es geht nicht um wenige externe Standorte, es geht um die Stärkung der Hochschulen. Weil nicht sein darf, dass alles, was besonders attraktiv ist, sich neben der Hochschule ansiedelt. Sondern es geht darum, dass Kooperation und Stärkung der Hochschulen, also da, wo die Studierenden sind, die Architektur des Wissenschaftssystem prägen muss.

Vor 50 Jahren ist es uns gelungen, die Anschlussfähigkeit Deutschlands an die führenden Technologienationen wieder herzustellen. Seither bedurfte es in jeder Generation des kritischen Blicks auf das Wissenschaftssystem und daraus resultierender neuer Initiativen zu seiner Weiterentwicklung und Internationalisierung. Das gilt auch heute. Die Dynamik in anderen Regionen der Welt, aber auch die demografische Entwicklung in Deutschland verlangen, dass wir uns auf bislang erreichte Fortschritte nicht ausruhen. Wir brauchen auch in Zukunft den kritischen Blick vieler Akteure, ganz besonders der VolkswagenStiftung mit ihren Erfahrungen, um z.B. die richtigen Weichen für die Zeit nach der Exzellenzinitiative zu stellen.

Es muss schließlich unser gemeinsames Ziel sein, nicht nur den Hochschulen, sondern auch ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern den notwendigen Freiraum für transformative Forschung zu schaffen. Dazu gehört dann auch die Frage, wie eine gute Verbindung der großen themengeleiteten Forschungsprogramme mit der gezielten Förderung wissenschaftlicher Talente hergestellt wird.

Auf die Förderung der besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat die VolkswagenStiftung seit jeher ein besonderes Augenmerk gelegt. Unter ihnen sind so namhafte Persönlichkeiten wie der Nobelpreisträger Theodor Hänsch oder die Leibniz-Preisträger Theo Geisel und Karl Leo, um nur einige von ihnen zu nennen. In diesem Zusammenhang bin ich dankbar dafür, dass exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit zukunftsweisenden Themen und einem klaren Risikobewusstsein unterstützt werden. Im Zusammenspiel von Exzellenz und Risiko möchte die Stiftung erreichen, dass nicht nur neues Wissen generiert wird, sondern auch Alternativen zu eingefahrenen Prozessen und Strukturen in den Wissenschaftseinrichtungen in diesem Land aufgezeigt werden. Das gilt auch deshalb, weil das, was ich über Veränderungen gesagt habe, selbstverständlich auch für jede einzelne Forschungseinrichtung gilt. Auch hier gilt, jeder einzelnen Generation die Frage zu stellen: Wie sieht eigentlich die Perspektive, der Veränderungsbedarf in den nächsten zehn Jahren aus? Woran haben wir uns möglicherweise schon zu sehr gewöhnt? Wo entstehen neue Felder, neue Formate, die bei den Zukunftsperspektiven zu beachten sind?
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Professorin Dr. Annette Schavan. Foto: David Ausserhofer
II.

Lassen Sie mich die Arbeit der VolkswagenStiftung in sieben Bemerkungen noch etwas genauer charakterisieren:
1.    Die VolkwagenStiftung nimmt seit 50 Jahren eine Vorreiterrolle mit dem Fokus auf wissenschaftliche und gesellschaftliche Innovation wahr.
Das glückliche Zusammenspiel von wirtschaftlicher Unabhängigkeit – die Stiftung verfügt über ein Kapital von 2,4 Milliarden Euro – und autonomer Entscheidungsfindung ist das Fundament ihrer Arbeit. Aber auch die Fähigkeit sich zu konzentrieren, international zu orientieren und sich beständig an den Besten zu messen, hat neben Mut und Risikobereitschaft maßgeblich zum Erfolg der Stiftung beigetragen. So ist es aus heutiger Sicht auch kein Wunder, dass es vor gut 40 Jahren die VolkswagenStiftung war, die sich entgegen allen Skeptikern entschlossen hat, die wissenschaftlich und gesellschaftlich nicht unumstrittene Studie des Club of Rome zu den Grenzen des Wachstums zu fördern. Was 1972 noch als These formuliert war, hat sich heute als zum Teil bittere Wahrheit bewiesen. Wir alle fragen uns heute, wie die mit dem Klimawandel, dem Ressourcenschwund und dem zunehmenden Bevölkerungswachstum einhergehenden Probleme zu lösen sind. Warum ist es uns nicht gelungen, rechtzeitig gegenzusteuern? Positive Veränderungen werden heute nicht mehr möglich sein, ohne die eine oder andere Komfortzone zu verlassen. Die Stiftung wird sich am 28. und 29. November diesen Jahres – also 40 Jahre danach – dieses Themas in enger Abstimmung mit Dennis Meadows nochmals annehmen.
2.  Die VolkswagenStiftung schafft Freiraum in Forschung und Lehre.
Die Stiftung fühlt sich dem Freiheitsgedanken, wie er in
Artikel 5 des Grundgesetzes festgeschrieben ist, seit Beginn ihrer Tätigkeit verpflichtet und sorgt mit ihren zusätzlich gewährten Mitteln und der damit einher gehenden attraktiven Stellen- und Geräteausstattung für ein unabhängiges freies Arbeiten. Sie ermöglicht Forschung um ihrer selbst Willen und übersieht dabei nicht die sogenannten Orchideenfächer. Gleichwohl verliert sie dabei die perspektivische gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung nicht aus dem Blick. Dass sich die VolkswagenStiftung über all die Jahre hinweg den Gedanken von Freiheit, Demokratie und Zivilgesellschaft verpflichtet fühlt und hier immer wieder ganz eigene Akzente gesetzt hat, unterstreicht schließlich auch das Thema für das morgige Symposium im Schloss Bellevue „Wissen stiften für das 21. Jahrhundert“.

3.    Die VolkswagenStiftung fördert fächerübergreifend und zielt auf den Abbau von Barrieren zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen.
Unsere Welt ist hochkomplex geworden – nicht erst seit gestern. Die VolkswagenStiftung hat dies seit langem erkannt und frühzeitig die Interdisziplinarität in der wissenschaftlichen Forschung propagiert und im Besonderen gefördert. Interdisziplinäre Forschung muss ja nicht nur neue Strukturen schaffen, sondern auch für die optimale Vernetzung sorgen. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die interdisziplinäre Vernetzung von Wissenschaftlern, der die VolkswagenStiftung mit dem durch eine Tochtergesellschaft realisierten Wiederaufbau des Schlosses Herrenhausen in Hannover mehr Aufmerksamkeit schenken möchte.

4.    Die VolkswagenStiftung kennt keine geografischen Grenzen.
Seit Beginn ihrer Tätigkeit engagiert sich die Stiftung international. Im Fokus stand seinerzeit Ostasien, später dann Lateinamerika und nunmehr gilt das besondere Interesse den Regionen Sub Sahara/Afrika und Mittelasien/Kaukasus. Zur globalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wissenschaft gehört nicht nur, sich international an den Besten zu orientieren, sondern auch mit ihnen zusammenzuarbeiten und gemeinsame Projekte zu verfolgen. Hier hat die VolkswagenStiftung beachtliche Erfolge in der Vernetzung der Wissenschaftler erzielt und sich über Jahre hinweg eine bemerkenswerte Expertise aufgebaut. Das unterstreichen nicht zuletzt die Anwesenheit verschiedener internationaler Kooperationspartner und führender internationaler Akteure auf diesem Gebiet.

5.    Die VolkswagenStiftung fördert den Diskurs zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Gesellschaft.
Der offene Dialog zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Gesellschaft gewinnt an Bedeutung. Auch hier geht die VolkswagenStiftung bemerkenswerte Wege. Bereits anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums hat sie mit der Ausstellung „Science + Fiction – Zwischen Nanowelt und globaler Kultur“ einen spannenden Schritt in Richtung Wissenschaftsvermittlung gewagt. Sie hat Wissenschaftler und Künstler gleichermaßen eingeladen, gemeinsam wissenschaftliche Fragestellungen künstlerisch umzusetzen. Das Projekt war so erfolgreich, dass die ursprünglich nur für Deutschland konzipierte Schau danach über die Niederlande und Schweden bis nach Japan wanderte. Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums möchte die VolkswagenStiftung hier einen weiteren Akzent setzen. Mit dem Wiederaufbau des Schlosses Herrenhausen als internationales Tagungszentrum soll die Wissenschaftskommunikation künftig noch stärker verortet und ihr Angebot in diesem Bereich gebündelt werden, um diesem Aspekt der Forschungsförderung national aber auch international noch größere Sichtbarkeit zu verleihen. Dabei geht es ihr ebenso um die Legitimation von Forschungshandeln und die Vermittlung von Ergebnissen wie um die Transformation gesellschaftlicher Herausforderungen in konkrete wissenschaftliche Fragestellungen.

6.    Die VolkswagenStiftung geht auch in Krisenzeiten mit ihren Ressourcen verantwortlich um.
Die VolkswagenStiftung hat es geschafft, ihr Vermögen erfolgreich zu vermehren – eine in jeder Hinsicht respektable Leistung. Das Zusammenspiel einer ausgefeilten Vermögensanlagestrategie und eines breiten Spektrum von Investments und die Bereischaft, an einer einmal gewählten Strategie festzuhalten – auf dieser Basis hat die Stiftung im Jahre 2011 Erträge in Höhe von 160 Millionen Euro erwirtschaftet und für rund 120 Millionen Euro Forschung gefördert. Sie ist damit die bei Weitem größte private Förderstiftung in Deutschland.

7.    Die VolkswagenStiftung ist eine vorbildlich geführte, beständig lernende und partnerschaftlich denkende Stiftung.
Wir feiern heute eine der vorbildlichsten deutschen Stiftungen. Sie verdient die Bezeichnung „Vorreiter zu sein“ in jeder Hinsicht. Die von ihr in der täglichen Arbeit verfolgten Prinzipien lassen sich im Internet transparent verfolgen. Sie ist die erste private deutsche Wissenschaftsstiftung, die den Schritt gewagt hat, sich einer Gesamtevaluation all ihrer Wirkungsbereiche zu unterziehen. Das Ergebnis dieses Evaluationsprozesses liegt seit vergangenem November vor und hat Schwung in die Debatte gebracht, wie sich die Stiftung in den nächsten zehn Jahren positionieren wird. Erneuern als Tradition wird auch künftig ihr Leitmotiv bleiben.

Alle, die in den vergangenen fünf Jahrzehnten zur Erfolgsgeschichte beigetragen haben, können stolz darauf sein, dass diese Stiftung die Debatte um die Attraktivität des Hochschul- und Forschungsstandorts Deutschland immer wieder neu befeuert hat. Es ist also nicht allein der Wert, der finanziellen Investitionen in Forschungsinvestitionen, an den wir heute dankbar denken. Aber daneben ist es eben auch diese ungewöhnliche innovative Kraft der Stiftung, die nicht viele Expertisen macht, an die sich niemand hält, sondern der es immer wieder gelungen ist, mit ihrer Perspektive in aktuelle wichtige Debatten einzugreifen, sie zu prägen und für diese Debatten neue Impulse zu setzen. Deshalb, sage ich, steckt in diesen fünf Jahrzehnten eine Menge Kraft, die Architektur des Wissenschaftssystems zu entwickeln. Das ist ja eine Aufgabe vor der wir ganz aktuell stehen, das gilt für die Länder, das gilt für den Bund, das gilt für den Dialog zwischen den Forschungseinrichtungen und zwischen den Wissenschaftseinrichtungen, der Wirtschaft und der Politik. Jetzt ist die entscheidende Frage: Wie sieht die Wissenschaftsstruktur im Jahr 2020 aus? Die Weichen dafür werden in den nächsten Jahren gestellt. Dazu gehört auch, dass die VolkswagenStiftung Wert auf eine gute wissenschaftliche Praxis legt und kritische Fragen stellt, wo Gefährdungen liegen und Entschleunigung im Wissenschaftsbetrieb notwendig ist und wo sich Gewohnheiten gebildet haben, die der Seriösität der Wissenschaft nicht gut tun.

An uns allen liegt es, dass wir auch in Zukunft gemeinsam darauf hinwirken, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler überzeugende Bedingungen finden können, in denen sie unabhängig und selbstbestimmt forschen können. Es gibt dabei keinen Punkt, an dem man sich auf dem Erreichten ausruhen kann, stattdessen gehört zum intellektuellen Esprit in der Politik zu erkennen, was man erreicht hat und wohin man noch kommen will. Das wird wieder zu Veränderungen führen, weil die Wissenschaft als Ganzes ein lernendes System ist und auch die Politik ab und zu daran erinnert, dass auch sie ein lernendes System ist.
So wünsche ich der VolkswagenStiftung auch zukünftig viele Partnerschaften mit wissenschaftlichen Institutionen und zahlreiche Stiftungskooperationen, die sich ebenfalls diesem Ziel und diesem leitenden Motiv „Erneuern als Tradition“ verpflichtet fühlen.
In diesem Sinne gratuliere ich der VolkswagenStiftung und allen, die dazu beigetragen haben, zu dieser Erfolgsgeschichte und wünsche der VolkswagenStiftung auch in Zukunft größtmöglichen Erfolg.